Für viele starten bald die Sommerferien. Und statt unbeschwerten Ferienreisen heisst es nun Maskentragpflicht. Die Lage bleibt ungewiss und wir müssen uns eingestehen, dass die Krise noch länger nicht ausgestanden ist. Für eine gelingende Zukunft sind nicht nur Programme und Schutzkonzepte massgebend, sondern vor allem ein aufbauender, liebevoller Umgang miteinander.

 

Als SEA sind wir sehr dankbar, wie sich gerade in der Krise Beziehungen stärkten und festigten. Strittige Themen wurden plötzlich nebensächlich und aus einem notwendigen Miteinander wuchsen Freundschaften. Und inmitten der Krise entstanden innovative und kreative Gottesdienste. Der Digitalisierungsschub erfasste auch die Kirchen und vielerorts konnten gar kirchenferne Leute erreicht werden. Anderorts haben Kirchen bis zuletzt ihren Dienst an den besonders Bedürftigen aufrechterhalten. Trotz all den Chancen und den schönen Aspekten war Corona für viele stressig und schwierig.

 

Auch als SEA-Team haben wir uns daher sehr über die Lockerungsmassnahmen gefreut. Die Freude über die Wiederdurchführung von Gottesdiensten oder die Rückkehr an den Arbeitsplatz war jedoch von kurzer Dauer. Gottesdienst ohne Gesang und Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr – so hat man sich die Rückkehr in die Normalität nicht vorgestellt. Die immer neuen Bestimmungen und die Einschränkungen des Lebens sind ermüdend. Und je länger die ungewisse Situation andauert, desto eher gerät man aneinander – auch unter Christen. Und so drohen in der andauernden Krise nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Beziehungen Schaden zu nehmen.

 

Als die junge Kirche in Korinth sich aufgrund interner Konflikte zu spalten drohte, griff Paulus zur Feder. Leicht angepasst schreibt er:

 

 Was aber das Covid19 angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf.

(1 Kor 8,1 teilweise nach L17)

 

Erkenntnis bläht auf

Unterdessen haben sich die meisten eine Meinung zu Covid19 gebildet. Auch in Kirchen prallen vermehrt unterschiedliche Ansichten aufeinander. Waren bisher vor allem die sozialen Netzwerke Plattform der Auseinandersetzungen, verschieben sich Konflikte jetzt vermehrt auf physische Begegnungen. Das (Nicht-)Tragen einer Maske oder die Art der Begrüssung ist für alle sichtbar. Und nicht selten wird aus einer Geste oder einem Mundschutz eine bestimmte Überzeugung abgeleitet, die dann auch umgehend kommentiert wird. Für die einen gehen die Lockerungsschritte viel zu wenig weit, während andere strengere Massnahmen befürworten. Während einige Kirchen die Solidarität betonen, haben sich andere auf den Kampf für mehr Freiheit eingeschworen («Wir müssen Christus mehr gehorchen, als dem Kaiser»).

 

Unsere Herausforderung ist nicht bloss die Umsetzung von Schutzkonzepten, sondern die Art und Weise, wie wir unser Miteinander gestalten. Dabei die Liebe vor die Erkenntnis zu stellen, dazu fordert uns Paulus in seinen Briefen auf.

 

Die Liebe baut auf

Die Sommerferien bieten uns Zeit, um Luft abzulassen. So entsteht neben unserer Meinung hoffentlich auch etwas Platz, wo andere sich entfalten können. Das beste was wir jetzt zu geben haben, sind keine schlauen Antworten, sondern tätige Liebe. Der Sommer bietet uns die Chance, uns wieder auf das zu besinnen, was im Zentrum unseres Glaubens steht: Die Liebe. «Liebe baut auf», schrieb Paulus. Sie sucht zuerst das Gute für den Anderen, Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich, sie kennt keinen Neid und spielt sich nicht auf. Sie verhält sich nicht taktlos und sucht nicht den eigenen Vorteil; sie verliert nicht die Beherrschung und trägt keinem etwas nach (1 Kor 13,4ff). Wenn unsere Begegnungen von dieser Liebe geprägt sind, wird das unausweichlich eine Strahlkraft entwickeln. Und dann können wir mit Paulus rücksichtsvoll sagen:

 

Darum, wenn ich ohne Schutzmaske meine Schwester oder meinen Bruder zu Fall bringe, will ich immer eine Maske tragen, auf dass ich meine Schwester und meinen Bruder nicht zu Fall bringe.

(1 Kor 8,13 teilweise nach L17)

 

Andi Bachmann-Roth