Aktuelle Mitteilung (Stand: 13.3.2020, 18.30h)

 

Die jüngsten Massnahmen des Bundes zur Eindämmung der Epidemie sind einschneidend und betreffen nicht zuletzt zahlreiche Gottesdienste. Das Verbot von Veranstaltungen ab 100 Personen bis Ende April muss jedoch nicht das vorübergehende Ende des kirchlichen Lebens bedeuten, sondern kann auch eine Chance sein. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA-RES hat Antworten auf Fragen zusammengestellt, die sich die Kirchen und Gemeinden nun stellen, und stellt Ideen vor, wie sie auf die besondere Situation reagieren können.

 

Der Bundesrat hat einschneidende Massnahmen beschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und damit die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Unter anderem werden alle Veranstaltungen über 100 Personen in der Schweiz bis zum 30. April verboten. Kleinere Veranstaltungen sind dann möglich, wenn die bisherigen Verhaltensregeln gemäss Bundesamt für Gesundheit BAG eingehalten werden.

 

Das bedeutet für die gesamte Bevölkerung grosse Veränderungen und schränkt auch die Möglichkeiten für Gottesdienste und andere kirchliche Angebote ein. Die SEA-RES geht davon aus, dass viele Kirchen und Gemeinden ab sofort keine Gottesdienste im herkömmlichen Sinn mehr durchführen werden bzw. dürfen.

 

Kein Grund zur Entmutigung
Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, auf alternative Formen des Gottesdienstes und des Miteinanders auszuweichen. Die SEA-RES ermutigt dazu, die Situation gleichzeitig auch als Chance für das Gemeindeleben zu betrachten. Die digitale Live-Übertragung von Gottesdiensten ist bereits in vielen Kirchen verbreitet. In der aktuellen Situation dürfte dies auch für jene Gemeinden eine Lösung sein, die bisher diese Technik noch nicht eingesetzt haben. Chrischona Schweiz schreibt dazu: «Wir erachten Livestream als die beste Möglichkeit, um den Sonntagmorgen auch in Zukunft zu gewichten. Livestream wird dabei wahrscheinlich heissen, dass ein Gottesdienst vor leeren Rängen, nur mit den Mitarbeitenden durchgeführt wird, was ein gewisses Umdenken erfordert. Gottesdienst per Livestream ermöglicht aber auch mit wenig Aufwand Schwerpunkte zu setzen, zum Beispiel nacheinander zwei Gottesdienste, einen für Familien und einen für Erwachsene. Sucht als Gemeinde eine Lösung, mit der ihr auch 10 Wochen arbeiten könntet. Es ist zurzeit leider unwahrscheinlich, dass wir nur von einer Übergangslösung von 1 bis 2 Wochen sprechen.»

 

Für kleinere Kirchen und kurzfristige Lösungen bieten sich Livestream-Apps wie Youtube, Facebook oder Streamlabs an (Achtung: 24 Stunden für Aktivierung nötig). Medienkompass bietet zudem eine Übersicht mit weiteren Livestream-Apps. Dies kann über ein Smartphone (Achtung: Youtube erst ab 1000 Abonnenten) oder über eine Kamera, die mit einem PC verbunden ist, aufgenommen werden. So oder so ist darauf Wert zu legen, dass neben der Bild- vor allem auch die Tonübertragung in guter Qualität erfolgt (externes Mikrofon!). Zudem können einzelne Kameras (GoPro oder Mevo Plus) direkt auf Livestream-Plattformen (wie Youtube) übertragen.

 

Für langfristige und professionelle Lösungen sind grössere Investitionen angemessen. Im Folgenden eine kleine Auswahl von Firmen, die mit Hardware und Beratung zur Verfügung stehen:

 

Für kleinere Gruppen und Teams, die den Kontakt zu Personen der Risikogruppen meiden möchten, eignet sich Software wie Skype, Microsoft Teams oder Zoom.

 

Gemäss unseren Abklärungen ist «Streaming» von Liedern im Kirchenvertrag C mit der SUISA nicht inbegriffen. Vorübergehend ist während der Coronavirus-Phase jedoch kein zusätzlicher SUISA-Vertrag für das Streamen von Gottesdiensten inkl. Musik nötig. Der Verband Freikirchen Schweiz VFG wird langfristig einen neuen Vertrag mit der SUISA für ihre Mitgliedsverbände erarbeiten.

 

Stärkung von Kleingruppen
Eine weitere Möglichkeit, auf die aktuelle Situation zu reagieren, ist die Stärkung von Kleingruppen. In (bestehenden oder neu zu bildenden) Kleingruppen gemeinsam eine Predigt zu hören, darüber zu diskutieren, gemeinsam zu beten und zu essen, ist eine valable Alternative zum klassischen Gottesdienst. Wichtig ist aber auch bei Treffen in diesem kleinen Rahmen, dass die Kirchen an die Einhaltung der Verhaltensregeln gemäss BAG appellieren. Wir verweisen auf zwei anregende Beiträge sowie praktische Hinweise zur Stärkung von Kleingruppen:

 

Besondere Verantwortung für Ältere und Kranke
Die Schweizerische Evangelische Allianz ruft ausserdem in Erinnerung, dass in dieser aktuellen Situation der Schutz der Schwächsten Priorität haben muss. Dazu verweisen wir auf ein Interview bei Livenet mit dem ehemaligen Berner Kantonsarzt. Gleichzeitig haben die Kirchen auch eine Verantwortung, diesen Menschen beizustehen und der Isolation entgegenzuwirken. Das BAG empfiehlt Menschen, die zur Risikogruppe gehören, die Wohnung nicht mehr zu verlassen und den Kontakt zu Mitmenschen zu meiden. Das Einkaufen und auch andere alltägliche Besorgungen werden so unmöglich. Auf sozialen Medien (Whatsapp, Facebook usw.) ist es möglich, sich als Nutzer in Gruppen zu verbinden und so die Nachbarschaftshilfe zu organisieren.

 

Die Behörden wollen sicherstellen, dass die älteren und geschwächten Menschen in Spitälern, Altersheimen und zuhause konsequent geschützt werden und die notwendige Hilfe erhalten. Aus diesem Grund sind vielerorts ab sofort Besuche in Spitälern verboten, ausser bei der Hospitalisation von Kindern, Gebärenden und Sterbenden. Altersheime müssen Besuche ebenfalls verbieten, mit Ausnahme von Besuchen bei Sterbenden. Was dies für die Wahrnehmung des Seelsorgeauftrags von Pfarrpersonen, Seelsorgerinnen oder Besuchsteams von Kirchen bedeutet, wird die SEA-RES kommende Woche genauer eruieren und darüber informieren.

 

Die Leiterkonferenz des Verbands Freikirchen Schweiz trifft sich am 20. März in Bern zu einer Strategiesitzung mit gut 20 Personen. An dieser Strategiesitzung wird es auch darum gehen, was die Corona-Situation für die Freikirchen bedeutet, welche zusätzlichen Massnahmen ergriffen werden müssen und auch, was die langfristigen Auswirkungen sind.

 

Gemeinsames Gebet
Der Glaube an die gute Nachricht von Jesus Christus bildet – gerade in Krisen – ein Fundament, um mit Gelassenheit, Verantwortungsbewusstsein und ohne Furcht zu reagieren. Dazu sei nochmals auf den theologischen Kommentar von Andi Bachmann-Roth von letzter Woche hingewiesen. Ausserdem kann das Heft «40 Tage Gebet und Fasten» als Ressource dienen, um in der aktuellen Situation eine Fasten- und Gebetszeit durchzuführen. Die SEA-RES macht sich ausserdem Gedanken über eine grössere Online-Gebetsinitiative. Auch dazu folgen weitere Informationen.