Der 22. August ist von der UNO zum Internationalen Gedenktag für die Opfer von Gewalttaten aufgrund ihrer Religion erklärt worden. In diesem Zusammenhang lud die Arbeitsgruppe «Verfolgung.jetzt» (der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit AGR der Schweizerischen Evangelischen Allianz) heute Nachmittag zu einer Kundgebung nach Bern. Die Gruppe gedachte Opfern und fordert, dass im «freien Westen» die Stimme für jene erhoben wird, die keine haben.

Zum nun bereits dritten Mal wird am 22. August der UNO-Gedenktag für die Opfer von Gewalttaten aufgrund ihrer Religion begangen. Weltweit gesehen leiden fast alle grösseren religiösen Gruppierungen unter Diskriminierung und Übergriffen, dort, wo sie in der Minderheit sind.

Bei der Kundgebung «Verfolgung.jetzt» wurde darauf hingewiesen, dass statistisch gesehen die christliche Konfession jene ist, die am meisten Gewalt erleidet. So stieg 2020 die Anzahl der Christen, die nachweislich einzig aufgrund ihres Glaubens ermordet worden sind, laut dem neusten Weltverfolgungsindex von 2983 Menschen auf 4761. Neun von zehn Personen starben dabei in Afrika südlich der Sahara, oft durch islamistische Gewalt, wie beispielsweise in Nigeria (3530), Mosambik (rund 100), Kamerun (53) und Burkina Faso (38).

Entführungen und Zwangsheiraten
Aktuellen Untersuchungen zufolge, im Rahmen des Weltverfolgungsindex 2021 von der Organisation Open Doors, wurden mehr als 20’000 Christen im Jahr 2020 physisch oder psychisch misshandelt. Über 130’000 Christen mussten aus Regionen fliehen wegen Verfolgung oder aufgrund heftiger Kämpfe. In Ländern wie Pakistan oder Ägypten widerfahren jungen Christinnen Entführungen, erzwungene Konvertierungen und Zwangsheiraten, aus denen es kaum ein Entfliehen gibt.

«Wir dürfen nicht länger schweigen zur Gewalt gegen religiöse Minderheiten», appelliert AGR-Präsident Philippe Fonjallaz. «Christen werden oftmals an den Rand gedrängt und Behördenwillkür ausgesetzt. Mehr als 6000 Häuser und andere Gebäude wurden im Jahr 2020 beschlagnahmt, zerstört, geplündert oder angezündet – gezielt, weil die Bewohner Christen waren. 2000 Geschäften von Christen erging es ebenso. Das ist nicht hinnehmbar.» Philippe Fonjallaz fordert in der Bundesstadt, dass die Schweizer Regierung ihr diplomatisches Geschick einsetzt, um Glaubensfreiheit einzufordern, wo sie nicht gewährt ist.

Nigeria ist ein gefährlicher Ort geworden
Das Land, in dem mit Abstand am meisten Christen gezielt getötet werden, ist Nigeria, insbesondere durch Boko Haram und Islamisten innerhalb der Fulani. «Vielerorts in Nigeria ist es heute sehr gefährlich, Christ zu sein», bilanziert Franklyne Ogbunwezeh im Rahmen der Kundgebung auf dem Münsterplatz. Seine Schwester starb durch einen Terror-Anschlag der Boko Haram. Er selbst lebte 30 Jahre in Nigeria, ehe er mit seiner Familie nach Deutschland zog, andere Angehörige leben immer noch im Norden des Landes. Für Christian Solidarity International (CSI) setzt er sich für die Genozid-Prävention in Afrika ein.

Namentlich in seiner Heimat werden im Norden des Landes gezielt Christen vertrieben. «Es steht eine klare Islamisierungsstrategie dahinter. Seit in zwölf Bundesländern die Scharia eingeführt worden ist, müssen Christen dieser zunehmend Gehorsam leisten. Im Süden gibt es Gruppierungen, die sich abspalten wollen, weil sie die islamistische Gewalt – die sich gezielt gegen Christen richtet – satthaben.» Nicht selten werde im «Westen» von einem Konflikt um Weideland gesprochen, was laut Franklyne Ogbunwezeh nicht statthaft ist, da die entsprechenden Angriffe sich in erster Linie gegen christliche Dörfer richten. Die Anzahl der Anschläge ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. «Vieles davon erreicht die europäischen Medien gar nicht mehr.» Franklyne Ogbunwezeh spricht von einer Strategie seitens Islamisten. «Im umkämpften Bundesstaat Plateau verfügen die Muslime nicht über die Mehrheit.» Dort werden laufend Christen zum Verlassen der Region gezwungen, um so das Gleichgewicht in der Region zu verändern.

Massengrab in Bern
Auf all diese Missstände wurde bei der «Verfolgung.jetzt»-Kundgebung in Bern auf dem Münsterplatz aufmerksam gemacht. Bildstark wurde ein symbolisches Massengrab errichtet sowie ein Band von Namen von Opfern der Gewalt ausgelegt. Auch wurde auf die teilweise prekäre Lage von Glaubensverfolgten in anderen Ländern hingewiesen.

Franklyne Ogbunwezeh: «Es ist ein wichtiges Zeichen, das die UNO mit der Schaffung dieses Gedenktages gesetzt hat; ich halte es für eine gute Sache. Wir müssen den Menschen, die in anderen Teilen der Welt leiden, helfen.»

Religionsfreiheit immer mehr beschnitten
Die Kundgebung in Bern wurde Corona-bedingt gestreamt und ohne Publikum durchgeführt. Hinter der Aktion steht die Arbeitsgruppe «Verfolgung.jetzt», einer Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit der Schweizerischen Evangelischen Allianz. Christian Forster, Leiter der Arbeitsgruppe, hält fest: «Die Religionsfreiheit war noch nie so gefährdet wie heute. Derzeit erleidet weltweit jeder achte Christ aufgrund seines Glaubens Diskriminierung und Verfolgung. Und leider verschlechtert sich die Situation von Jahr zu Jahr. Wir fordern hier, heute in Bern unsere Regierung und die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Aufmerksamkeit auf diese besorgniserregenden Entwicklungen zu richten. In den Beziehungen zu den betroffenen Ländern wird die Situation der religiösen Minderheiten allzu oft ignoriert oder nicht angesprochen. Wirtschaftliche Interessen haben Vorrang, zum Nachteil der Verteidigung der Menschenrechte, zu deren integralem Bestandteil die Glaubensfreiheit gehört.»

Kontakt
Philippe Fonjallaz
Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit
Tel. 079 302 16 05
philippef@opendoors.ch

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