Haben Sie sich heute zweimal überlegt, ob Ihnen Kaffee und Gipfeli 8 Franken wert sind? Wohl kaum. Für den Flüchtling von nebenan, der einen negativen Asylentscheid erhalten hat, bedeutet das jedoch sein ganzes Tagesbudget. Der diesjährige Flüchtlingssonntag am 19. Juni fordert heraus, sich auf den Flüchtlings(all)tag, der weit weg und doch so nah ist, einzulassen. Die Kampagne wird von der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA-RES, ihrer Arbeitsgemeinschaft interkulturell und verschiedenen Partnerorganisationen getragen.

Die Bilder vom Krieg in der Ukraine sind aktuell zuvorderst, wenn es um Flüchtlinge geht. Doch weltweit sind laut der UN Refugee Agency über 84 Millionen Menschen auf der Flucht, Flüchtlinge aus der Ukraine nicht miteinberechnet. Das Schicksal von Flüchtenden aus der Ukraine soll auf eine weltweite Not aufmerksam machen und nicht über das Leid von unzähligen weiteren Menschen aufgrund anderer Konflikte hinwegtäuschen. Denn eine Flucht aus dem Herkunftsland ist vielfach eine traumatische Erfahrung.

Die aktuelle Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine ist beeindruckend und verdient Anerkennung. Der Alltag in der Schweiz ist für Geflüchtete dennoch herausfordernd. Sei es wegen fehlenden Alltagstrukturen, mangelnden Kenntnissen der neuen Kultur und Sprache, der Trennung von Angehörigen, die im Herkunftsland ausharren, der Ungewissheit, wie es weitergehen könnte, und nicht zuletzt aus finanzieller Sicht. Für diese problematischen Lebensumstände sensibilisiert der Flüchtlingssonntag 2022. Gemeinsam mit anderen Organisationen lädt die Arbeitsgemeinschaft interkulturell der SEA-RES vor allem die Kirchen zu verschiedenen Aktivitäten ein:

Flüchtlings(all)tag erleben durch Selbsterfahrung

Menschen in der Schweiz sollen nicht nur über Flüchtlinge sprechen, sondern selbst Flüchtlings(all)tag erleben. Sie sind eingeladen, für eine frei wählbare Zeitspanne ihr Alltagsbudget an eine der drei Unterstützungsrichtlinien nach der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS anzupassen, mit denen Flüchtlinge pro Tag über die Runden kommen müssen – Sozialhilfe (ca. 33.50), Asylsozialhilfe (ca. 23.-) oder Nothilfe (ca. 8.-) – die je nach Kanton variieren. Das so eingesparte Geld kommt Projekten zugute, die einerseits in Afghanistan und der Ukraine Nothilfe leisten und andererseits in der Schweiz Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen und fördern.

Schicksale wahrnehmen dank dem Dokumentarfilm «Gerechtigkeit auf der Flucht»

Der Dokumentarfilm «Gerechtigkeit auf der Flucht» wurde aus Aktualitätsgründen mit Bonusmaterial zu Afghanistan und der Ukraine sowie einem Vertiefungsinput erweitert und zeigt berührende Schicksale und die Alltagsrealität von Menschen auf der Flucht. Der gut 50-minütige Film kann auf Anfrage als Vorpremiere in der Kirche gezeigt werden. Online wird die Premiere am Samstag, 18. Juni 2022 um 21 Uhr auf Youtube zu sehen sein; ab dann ist der Film frei verfügbar.

Menschen begegnen mit dem «Same but different»-Kurs

Viele Menschen haben Berührungsängste im Kontakt mit Flüchtlingen: Wie kann ich Kontakt aufnehmen, worüber rede ich mit ihnen? Der «Same but different»-Kurs ist eine interkulturelle Videoserie für Kleingruppen, der solche Fragen beantwortet. Er umfasst fünf Lektionen mit kreativen Videos und Vertiefungsmaterial und nimmt mit auf den Weg, Flüchtlinge besser zu verstehen und ihnen zu begegnen.

Flüchtlingssonntag, 19. Juni 2022: Was die Kirchen tun können

Nutzen Sie die Angebote: Machen Sie mit Ihrer Gemeinde die Selbsterfahrung mit dem Budget eines Flüchtlings und erzählen Sie davon am 19. Juni im Gottesdienst. Bauen Sie dazu auch den Dokumentarfilm oder Ausschnitte daraus ein. Und lassen Sie sich auf die Begegnung mit Flüchtlingen ein, indem Sie den «Same but different»-Kurs durchführen.

Kontakte
Egzon Shala
Interkultureller Beauftragter SEA -RES
Tel. 077 529 69 67
eshala@each.ch

Pascale Leuch
Kommunikation SEA
Tel. 043 366 60 83
pleuch@each.ch

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