Das Thema Sexualität ist ein heisses Eisen – das zeigte sich einmal mehr am Mitgliedertreffen des Forums Ehe + Familie: Die zahlreich erschienenen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz und weitere Interessierte bekamen von der Sexologin Veronika Schmidt anregende Impulse rund um Sexualität, Lust, Körperlichkeit und Beziehung. Ihre Botschaft: Wir müssen in diesen Bereichen sprachfähig werden.

 

«Verbotskultur», «Sprachlosigkeit», «Wissensdefizit», «Körperfeindlichkeit»: Die Sexologin und Paarberaterin Veronika Schmidt sparte am Mitgliedertreffen des Forums Ehe + Familie der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA nicht mit markigen Worten, um ihre Sicht auf den Umgang mit dem Thema Sexualität in christlichen Kreisen darzulegen. «Wenn wir uns an die eigene Jugend erinnern, stellen wir fest, dass uns häufig gar nichts vermittelt wurde – ausser, dass Sex vor der Ehe schlecht ist», so Schmidts Erfahrung. Junge Menschen müssten mehr über Sexualität wissen und darüber zu sprechen lernen, da dies wesentlich zur Entwicklung einer gesunden sexuellen Identität beitrage.

 

Sie fordert ein Umdenken: An die Stelle der vorherrschenden Problem- und Verbotsorientierung muss ein Bewusstsein für das positive Potenzial der Sexualität in der Paarbeziehung, für ein lustvolles Leben sowie eine offene Gesprächskultur treten. Mehrmals unterstrich Schmidt in ihrem Referat die Bedeutung des sexuellen Lernens. «Sexualität hat etwas mit mir zu tun und ist ein lebenslanger Lernprozess.» Wann dieser Lernweg anfängt, war eine der Fragen, die in der anschliessenden Talkrunde mit Veronika Schmidt, Sexualtherapeut und SEA-Präsident Wilf Gasser sowie Sexualpädagoge Matthias Bischofberger kontrovers diskutiert wurden. Beginnt die Entdeckung der Sexualität allein – und auch mittels Selbstbefriedigung – oder zu zweit in der Beziehung, vor oder erst nach der Eheschliessung?

 

Susanna Aerne aus dem Leitungsteam des Forums Ehe + Familie fasste für die darin vereinigten Organisationen und Fachpersonen abschliessend pointiert zusammen: «Wir sollten bereit sein, uns mutig den Fragen der Jugendlichen zu stellen und sie dort abzuholen, wo sie stehen.»