«ZerrEINSprobe – in den Spannungsfeldern Einheit bewahren» – angesichts aktueller Diskussionen um sexualethische Fragen sprach der Psychotherapeut Roland Mahler an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA in Zürich über den Umgang mit dem «Anderen» im Alltag der christlichen Gemeinde. Zudem wählten die Delegierten Kati Rechsteiner, reformierte Pfarrerin und Familienfrau, einstimmig in den Vorstand.

 

Was zu Gründungszeiten der Weltweiten Evangelischen Allianz in London die Sklavenfrage, sind heute zum Beispiel Fragen der Sexualethik, der Ökologie oder das Recht auf Leben am Anfang und am Ende: Spannungsfelder, welche die Einheit der Christen auf den Prüfstand stellen. Zur Inspiration und Sensibilisierung im Umgang mit aktuellen «ZerrEINSproben» in christlichen Kirchen und Gemeinden gab Roland Mahler den rund 70 Anwesenden zahlreiche Gedanken mit auf den Weg. Als Psychotherapeut und Supervisor beleuchtete er vor allem die menschliche und weniger die theologische Seite. Wir seien alle Teil einer geschöpflichen Diversität und sehnten uns danach, in unserer Andersartigkeit respektiert zu werden. Als ehemaliger Drogensüchtiger kann Mahler aus der eigenen Erfahrung schöpfen, wenn er über die Auseinandersetzung der christlichen Gemeinschaft mit dem «Anormalen» spricht. Das Andere, Fremde stelle uns selbst und unsere Identität infrage. «Wie viel Vielfalt darf es sein?», forderte er seine Zuhörer heraus.

 

Mit drei Thesen lud Roland Mahler zur weiteren Reflexion über den Umgang mit dem Anderen ein: Erstens sollten Menschen und ihr Verhalten nicht anhand von Kategorien wie «richtig» oder «falsch», sondern aufgrund ihrer Authentizität eingeordnet werden. Zweitens sind die geschöpfliche Zerbrochenheit des Menschen und die Hoffnung auf Erlösung zu berücksichtigen. Drittens gilt es zwischen der Person und ihren Werken zu unterscheiden, denn Menschen sind immer mehr als das, was sie tun.

 

Geschäftssitzung im Zeichen personeller Veränderungen
An der anschliessenden Geschäftssitzung wählten die Delegierten einstimmig Kati Rechsteiner neu in den SEA-Vorstand. Die reformierte Pfarrerin und Familienfrau identifiziert sich stark mit dem Allianz-Gedanken: «Es gehört zu meiner Biografie, an verschiedenen Orten ein geistliches Zuhause zu haben.» Ausserdem kündigte Matthias Spiess auf die nächste DV hin seinen Rücktritt als Generalsekretär an: Nach 16 Jahren bei der SEA und im Alter von gut 50 Jahren sieht er den Zeitpunkt gekommen, nochmals etwas Neues anzupacken. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger läuft bereits.