Die «Ehe für alle» beschäftigt die Schweizer Politik. Eine parlamentarische Initiative zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare befindet sich aktuell in der Umsetzung auf Gesetzesebene. Für Wilf Gasser, SEA-Präsident und Ehetherapeut, besteht die Herausforderung aus christlicher Sicht vor allem darin, das biblische Eheverständnis so zu kommunizieren, dass es in der Öffentlichkeit verstanden wird.

 

«Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft die Eheschliessung verstärkt dem Staat überlassen müssen, angesichts dessen, dass die Kirchen nicht mehr hinter dem gesellschaftlichen Ehebegriff stehen können»: Wilf Gasser findet im Interview mit Livenet deutliche Worte, um zu unterstreichen, dass das biblische Verständnis der Ehe sich grundlegend von jenem der heutigen Gesellschaft unterscheidet.

 

Wie soll die Kirche darauf reagieren? Für Wilf Gasser ist es besser investierte Energie, in säkularen Kreisen das biblische Bild der Ehe zu vermitteln – statt die aktuelle Entwicklung zu bekämpfen. Das setzt voraus, «so kommunizieren zu lernen, dass wir verstanden werden»: die Ehe als verbindlicher Bund, der neben gemeinsamem Glück auch die gegenseitige Entwicklung, die Bereitschaft zum Verzicht und den Beistand in schwierigen Zeiten umfasst. Ausserdem fordert Gasser die Kirche zu mehr Kreativität auf, was ihre Rolle im Bereich der Ehe betrifft. Heute beschränke sie sich vorwiegend auf den Akt der Eheschliessung und lasse die Paare danach meist allein.