Bern - Sektion der Monate Juni/Juli 2012

Das Interview mit Kurt Kammermann, Präsident der Evangelischen Allianz Bern, führte Thomas Beerle.
TB: Kurt Kammermann, in der EAB habt ihr in den letzten Jahren in Beziehungen unter Leitern investiert. Wo steht ihr heute beziehungsmässig? Wie steht es um die Motivation für das Miteinander als Gemeindeleiter, als Gemeinden?
KK: Wir stehen immer noch am Anfang, doch es bewegt sich etwas. Unsere Ideen und Anstrengungen gingen in den letzten Jahren in Richtung «De-Institutionalisierung». Das heisst: Die EAB soll vermehrt für die Menschen und nicht die Menschen für die EAB zur Verfügung stehen. Dieser «Umbau» braucht Zeit und Geduld. «Freunde zu werden» ist nicht ein Programm sondern anspruchsvolle Vertrauensförderung. «De-Institutionalisierung» ist der Wandel weg von der Institution hin zu einem effizienten Beziehungsnetzwerk.
TB: Gibt es Engagements und Projekte für eure Stadt, von denen du sagen kannst: Das haben wir nicht einfach organisiert, das ist aus der Pflege der Beziehungen gewachsen?
KK: Das Bedürfnis, gemeinsam sichtbarer zu werden, schlägt zunehmend seine Wurzeln und wächst. Kürzlich kam ein junger Leiter zu mir und erzählte begeistert, wie sie sich als Gemeindeleitung Gedanken machen, aus dem «Hinterhof» in die Öffentlichkeit umzuziehen. Zudem ist die Jugend der verschiedensten Gemeinden im Aufbruch und bewegt sich gemeinsam unter dem Label «Bern united» oder «Tanksteu» - das notabene aus dem Bedürfnis heraus, gemeinsam unterwegs zu sein.
TB: Eine Allianz hat in der Regel Ziele für das Miteinander und Ziele in Bezug auf die Verbreitung des Evangeliums in der Gesellschaft. Was sind die Ziele der EAB heute? Wie haben sie sich in den letzten Jahren verändert?
KK: In Bern haben wir das Ziel, dass aus gewachsenen Beziehungen ein unkompliziertes, dynamisches Miteinander entsteht. Dies ist der Grundstein einer Bewegung, die sich schnell und effektiv in der Öffentlichkeit positionieren kann. Kleine Events wie der Besuch der Allianz Bern im Bundeshaus oder im Herbst die Flughafenbesichtigung im Belpmoos, der Stammtisch, das «Netzwerk Bern» mit seinen Aktionen, der Leiterbrunch und jetzt das neue Allianz Forum unterstützen diese Zielrichtung. Wie und was sich als nächstes entwickeln wird, wissen wir noch nicht. Im Gespräch ist zum Beispiel ein «Freilicht Passionsspiel» über Ostern, indem die Kulisse der Stadt eine wesentliche Rolle spielen würde. Das wird aber nur entstehen, wenn die Herzen für diese Sache gemeinsam warm werden.
TB: Wie in verschiedenen anderen Regionen der Schweiz hat sich auch in Bern ein Netzwerk für Evangelisation gebildet. Der Vorstand der EAB hat beschlossen, diesem Netzwerk den Status einer Arbeitsgemeinschaft der EAB zu verleihen. Was bedeutet das?
KK: Die jungen Leute kamen mit dem Anliegen zu mir, sich der Allianz Bern anschliessen zu wollen. Sofort wurde mir klar, dass die Initianten viel Freiraum brauchen, um sich ihrer Aufgabe zu widmen. So schlug ich ihnen vor, die Ressourcen der Allianz zu nutzen, statt eine eigene, kräfteraubende Institution auf die Beine zu stellen. Die Vorteile waren bald einmal von allen erkannt und so gingen wir gemeinsam an die Umsetzung. In unkomplizierter Weise wurde das Netzwerk Bern mit einer einfachen schriftlichen Vereinbarung ein Teil der EAB. Die Verantwortlichen führen innerhalb der EAB eigenständig die Finanzen und geniessen alle Vorteile, die eine ortsansässige Allianz mit sich bringt. Das ist für mich eine vorbildliche Weise, sich unkompliziert zu vernetzen.
TB: Entwicklungen bringen meist Strukturveränderungen. Welche Schritte haben Struktur und Gesicht der EAB verändert?
KK: Wir haben den Vorstand bis auf drei Personen verkleinert und die Statuten vereinfacht. Das heisst, wir können nun je nach Situation, den Vorstand den gegebenen Situationen anpassen, niemand muss zuerst gewählt oder bestätigt werden. Zudem öffneten wir unsere Allianzarbeit auch Leiterinnen und Leitern, die vorerst ohne verbindliche Mitgliedschaft einfach dabei sein möchten. Mit solchen Schritten bewegen wir uns weg von der Institution, hin zu einer offenen Bewegung, die sich nach aussen als Netzwerk definiert.
Zum Schluss: Ich bin ein wenig stolz auf die Mitglieder der EAB, die eine so grosse Offenheit auch mittragen. Mich freut es enorm, wie sich damit der Allianzgedanke in Bern zunehmend wieder in den Köpfen und Herzen aktiv zurückmeldet.






